Wie die Diezer Straße fahrradfreundlicher werden kann

Rund sieben Prozent der Menschen in Limburg fahren mit dem Fahrrad. In den nächsten Jahren soll dieser Anteil auf mindestens 15 Prozent ansteigen. Doch dazu fehlen sichere, bequeme Radwege in der Innenstadt sowie zu den Stadtteilen und den benachbarten Kommunen. Eine mögliche Direktverbindung im Fokus der Planer ist die Verbindung Limburg-Diez.

Mit Blick in den Radroutenplaner Hessen ist eine Befahrung der Diezer Straße für Radfahrende gar nicht vorgesehen. Da werden die Radfahrenden aus Diez kommend linksseitig der Diezer Straße über Nebenstraßen in die Stadt geleitet. Dennoch setzen sich der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Limburg-Weilburg sowie Fridays for Future in den letzten Jahren dafür ein, dass die Diezer Straße als direkte Verbindung einen Radweg erhält. Mit verschiedenen Aktionen wie einem Pop-Up-Radstreifen zeigten sie auf, was möglich wäre. Auch im Radverkehrskonzept Limburg ist diese Route als vorrangiges Projekt aufgeführt. Aus diesem Grund haben sich Bündnis 90/ Die Grünen Limburg in einem Vor-Ort-Termin die Situation direkt an der Diezer Straße angesehen und erste Pläne für ein mögliches Radwegeprojekt vorgestellt.

Ist-Zustand Diezer Straße

Bei der Verbindung zwischen Diez und Limburg handelt es sich um eine sogenannte Veloroute, eine Hauptroute aus Limburg hinaus. Zwei weitere Routen wären von Limburg nach Elz und Hadamar sowie aus der Innenstadt zum ICE-Gebiet. Diese Velorouten sollen als übergeordnete Pendlertrassen entwickelt werden. Damit möchte man erreichen, dass sich der Pendlerverkehr auf das Fahrrad verlegt.

Wie gestaltet sich die Ist-Situation auf der Diezer Straße? Mischverkehr mit einer Verkehrsbelastung von 21.200 KfZ pro Tag sowie einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sowie 30 km/h zwischen 22 und 6 Uhr versprechen keine hohe Qualität für Radfahrende. Die Straßenbreite variiert zwischen 19 Metern an der breitesten Stelle sowie 13 Metern an der schmalsten Stelle. Durch die vorhandene Fahrbahnbreite von acht Metern sind Lösungen im Bestand nicht möglich.

Die Teilnehmenden schauen sich den Ist-Zustand vor Ort an (v.l.n.r.): Andreas Pötz, Frank Menz (AFCD), Katrin Schleenbecker

Für die unterschiedlichen Breiten sollen verschiedene Lösungen umgesetzt werden, welche am Ende einen durchgängigen Weg ergeben. Die Ideen sehen vor, den aktuellen drei Meter breiten Gehweg auf 2,20 Meter zu verschmälern. Die Parkflächen am Rande der Straße entfallen, um Radfahrstreifen zu realisieren. An den engen Stellen markiert eine durchgestrichene Linie den Schutzstreifen für Radfahrende. An den breiteren Stellen der Straße könnten sich die Planer eine zusätzliche Absicherung durch sogenannte Protected Bike Lane vorstellen. Dies sind kleine Boller, welche den Radweg von der Fahrbahn abtrennen.
Da es sich um eine Bundesstraße handelt, muss es eine frühe Abstimmung mit Hessen Mobil geben. Zudem empfehlen die Planer eine zielführende Öffentlichkeitsarbeit. Die Parkplätze entlang der Diezer Straße fallen weg und dann muss aufzeigen, dass damit die Aufenthaltsqualität in der Diezer Straße positiv steigt.

“Zeit zum Umdenken”

„Es ist Zeit zum Umdenken“, so Andreas Pötz von den Grünen bei seinen einführenden Worten. Für Limburg sei ein Radverkehrskonzept erarbeitet worden, welches noch vor der Sommerpause in die Gremien zur Beratung gehen soll. Die IKS Mobilitätsplanung Kassel mit Schwerpunt integrative Mobilität habe sich mit den Möglichkeiten für Radfahrende in Limburg beschäftigt und ein Konzept erarbeitet. Leider gebe es bei einigen Kommunalpolitikern noch immer eine autozentrierte Sichtweise, doch dies muss sich ändern. Innerhalb eines Radius von zehn Kilometern werde das Auto überdurchschnittlich oft genutzt und das ist ein Radius, in welchem jeder auf das Fahrrad umsteigen könnte. Gerade auch wegen dem noch immer über Limburg schwebenden Dieselfahrverbot, für welches jedes Quartal die Schadstoffwerte geprüft werden und die Situation allgemein in der Welt muss ein Umdenken her. Doch die Menschen wechseln nur ihre Mobilitätsform, wenn ihnen sichere, gute Alternativen angeboten werden.

Dies sieht auch die Grüne Landtagsabgeordnete Katrin Schleenbecker so, die ebenfalls an der Ortsbegehung teilnahm. „Wir müssen Mobilität neu und anders denken“, so ihr Impuls. In Limburg begrüßt sie es, dass mit dem Masterplan Mobilität bereits eine gute Vorlage existiert, auf welche nun aufgebaut werden kann. Auf Landesebene kam dies nun auch an, so dass die Planungsstellen ausgebaut wurden und es derzeit für solche Projekte auch hohe Fördergelder gibt. Bis 2024 sollen rund 170 Millionen Euro in den Ausbau der Radwegeinfrastruktur fließen. Verschiedene Mobilitäten müssen zusammen gedacht und gemeinsam umgesetzt werden. „Limburg ist auf einem guten Weg, aber es ist noch Luft nach oben“, so Schleenbecker.

Kleine Lösungen schon ein Fortschritt

An der Ortsbegehung nahm auch Pia Wuth von der Hubertus Apotheke Limburg teil. In Diez wohnend und in Limburg arbeitend kennt sie das Problem genau. Sie würde es schon begrüßen, wenn kurzfristig Tempo 40 entlang der gesamten Straße gelten würde. Dann hätte sie die Möglichkeit, sich als Radfahrer besser in den Verkehr einzugliedern. Für den Bereich Schiedekreuzung zum Werkstadt-Kreisel gibt es bereits von der Stadt Bestrebungen für diesen Schritt. Doch auf einer Bundesstraße ist die Umsetzung gar nicht so einfach, wie ein Gespräch zwischen Bürgermeister Dr. Marius Hahn sowie dem Ersten Stadtrat Stanke mit Umweltministerin Priska Hinz und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir zeigte (Quelle Nassauische Neue Presse am 29.04.2022)
Allein eine gestrichelte Linie sei eine Aufwertung der Strecke, so Wuth. Aber dafür fehlt aktuell die notwendige Breite. Auch würde sie sich wünschen, wenn es an jeder Ampel die Wartebereiche für Radfahrende gibt, wie es bereits an einigen Stellen in der Innenstadt umgesetzt ist. Derzeit gibt es nur die Möglichkeit, aufeinander Rücksicht zu nehmen, so die abschließenden Worte von Wuth.

Auf die Frage, welche Alternativen die Grünen für den ruhenden Verkehr anbieten wollen, wenn Flächen dafür wegfallen, wichen die Grünen aus. Es gehe darum, für die Radfahrenden etwas umzusetzen und das Parkproblem müsse dann die Stadt lösen. Andreas Pötz würde sich jetzt schnellstmöglich einen Beschluss zum Radverkehrskonzept wünschen, damit es in die Umsetzung geht. Und er sei am Ende zufrieden, wenn 50 Prozent der vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem Konzept umgesetzt werden. Katrin Schleenbecker appellierte an die Anwesenden, dass sich hoffentlich auch die Kommunalpolitiker ihrer Verantwortung bewusst sind, wenn es in die Beratungen zum Konzept geht.

Fahrradabstellmöglichkeiten in der Werkstadt

Im zweiten Teil der Ortsbegehung ging es um die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder auf dem Werkstadt-Gelände. Seit zehn Jahren besteht die Werkstadt und Thomas Körner gab eingangs zu, dass mit den Jahren auch ein Umdenken stattfand. Im Rahmen der Realisierung des Fahrradparkhauses rüstete die Werkstadt im letzten Sommer auf und schaffte an fünf Stellen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. An allen zentralen Stellen und immer zur Nähe der Eingänge befinden sich inzwischen Abstellflächen für Fahrräder. Kritik kam aus der Runde, dass zwar links am Werkstadt-Gebäude stünde, Fahrräder dürften langfahren, aber gleichzeitig mit der Aufforderung, vom Rad abzusteigen. Das sei nicht sehr sinnig.

Thomas Körner erklärte, dass sie zum einen die Belange aller im Blick haben müssen, welche die Straße nutzen und zum anderen Vermeiden wollen, dass sich dort eine Abkürzung parallel zur Diezer Straße entwickelt. Frank Menz, Vertreter vom ADFC, fragte nach, ob es eine Erhebung gebe, wie viele Radfahrende auf das Gelände kommen. Dies musste Körner verneinen. Menz fragte weiterhin, ob es für Radfahrende einen Anreiz gebe ähnlich wie die 90 Minuten kostenlos Parken für Autofahrende. Auch das gebe es derzeit nicht. Aber man könne darüber nachdenken.

Radhaus für Dauerparker

Am Ende zeigte Körner zusammen mit Eva Struhalla, Amtsleiterin Stadtentwicklung das Fahrradparkhaus. Dieses wurde im Dezember eröffnet. Dies sei ein schönes Beispiel für eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und privaten Unternehmen. Die Werkstadt habe den Raum zur Verfügung gestellt, die Zugänge abgesichert und kümmert sich um die Vermietung. Die Stadt ist zuständig für die Ausstattung wie Fahrradbügel oder E-Lade-Station für Fahrräder. Ebenfalls eine Servicestation und Schließfächer sind im Radhaus zu finden. Von den aktuell 100 Plätzen sind 50 vermietet. Hierbei handelt es sich um eine sichere Abstellmöglichkeit für Dauerparker. Mit 10 Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr kann sich jeder einen Platz dort mieten. Dies ist gedacht für Pendler, in Limburg Arbeitende und Wohnende.

Angebotslücke zum sicheren Abstellen

Dies ist keine Möglichkeit für ein kurzes Abstellen seiner Fahrräder. Da sieht Struhalla auch noch immer eine Angebotslücke, aber Ideen sind vorhanden. So könnten Kurzzeitparkplätze für Fahrräder im Rahmen der ZOB-Sanierung entstehen oder vor dem Bahnhof, indem einige Kurzzeitparkplätze für Autos wegfallen. Aus der Innenstadt kam dann der Wunsch, nicht nur um den Bahnhof herum zu denken, denn auch Radfahrende wünschen kurze Wege für ihre Erledigungen. Da solle die Stadt eventuell überlegen, ob sie nicht noch im Bereich Neumarkt oder Serenadenhof sichere Abstellmöglichkeiten schaffe. Struhalla wünscht sich ein Angebot über die ganze Stadt, welches an eine bundesweite App angeschlossen werden kann. Als optimale Lösung sahen dies nicht alle Teilnehmenden, den ältere Menschen haben zwar teure E-Bikes, aber nicht unbedingt die digitale Erfahrung. Struhalla wies aber auch nochmal darauf hin, dass die Stadt im letzten Jahr die Fahrradabstellanlagen verdoppelt hätte.

Eine gute Anmerkung hatte Hermann Maxeiner vom BUND am Ende. „Wir sollten die Leute im Blick haben, die wir aufs Fahrrad bringen wollen und nicht nur die begeisterten Fahrradfahrer, die seit vielen Jahren Rad fahren und sich zurecht finden.“

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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