Wo Backen noch Handwerk ist und welche Rolle die Umwelt spielt

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Nachdem der Landtagsabgeordnete Joachim Veyhelmann am ersten Tag seiner Sommertour den Abfall Wirtschaft Betrieb des Landkreises Limburg-Weilburg besuchte, ging es heute zur Bäckerei Huth nach Limburg.

Letzte Woche warf Joachim Veyhelmann einen Blick darauf, wie viel Müll im Jahr im Landkreis produziert wird und fragte nach, ob das gesteigerte Umweltbewusstsein auch am Müll zu erkennen ist. Da zum Thema Müll und Umwelt immer wieder die Kaffee to go-Becher in die Kritik geraten, ging es am zweiten Tag in die Bäckerei Huth, welche an ihren 21 Standorten auch fleißig Kaffee verkauft. Dabei gab es ebenfalls einen Blick in die Backstube sowie in die Philosophie des Unternehmens.

Blick in die Bäckerei

Als erstes ermöglichen Dominique und Sascha Huth einen Blick in die Bäckerei und der beginnt im Lager. In dem Raum befinden sich die Rohstoffe für eine Woche. „Wir arbeiten noch mit Rohstoffen und nicht mit Convenience Produkten“, erklärt Dominique Huth. Bei Convenience Produkten handelt es sich um vorgefertigte Backmischungen. In diesen seien über 200 Zusatzstoffe enthalten von Weichmachern über Stabilisatoren bis hin zu Aromen, alle hinter E-Nummern versteckt. Doch Huth setzt auf natürliche Produkte: „Wir wissen immer, was in unseren Backwaren drin ist.“ Und so verwenden sie unbehandeltes Salz ohne Jod, Kuvertüre und keine Fettglasur, green label Magarine und Rapsöl. Wichtig ist ihnen dabei, so viele Produkte wie möglich regional zu beziehen. Und so kommt der Honig vom Schafsberg, die Erdbeeren, Himbeeren und Kürbiskerne vom Heckelmann, Mensfelden. „Jeden Betrieb schaue ich mir an, denn ich will wissen, wo meine Rohstoffe herkommen“, so Dominique Huth weiter. Chemische Produkte kommen nicht in die Backstube. Hier ist das Backen noch echtes Handwerk.

Sie müssen aber auch zugeben, dass dies nicht immer so war. Zwar wurden Brot und Brötchen immer mit Natursauerteigen selbst gebacken, doch im Bereich Kleingebäck wurde bis 2004 auch auf Convenience-Produkte zurückgegriffen. Dann übernahmen die beiden Brüder von ihren Eltern den Betrieb und stellten nach und nach um. 2007 wurden sie dann als slow baking Betrieb zertifiziert. „Wir wollten anders sein“, erklären sie ihre Motivation. Und sie wollten auch ihren Kunden immer sagen können, was in den Backwaren enthalten ist.

Im Lager der Bäckerei Huth gibt es eine reine Ecke biologischer Rohstoffe.
Im Lager der Bäckerei Huth gibt es eine reine Ecke biologischer Rohstoffe.

Schwierige Zukunft

Wie es in Zukunft weitergeht, können die beiden nicht sagen. In den letzten Jahren sank die Zahl der Auszubildenden von 18.000 auf 8.000. Es wird immer seltener, dass Handwerker in der Backstube zu finden sind. Von den 12.000 Bäckereien in Deutschland sind nur 27 im slow baking Bereich tätig und üben ihr Handwerk noch ohne Fertigmischungen aus.
Und dann kommen noch die größten Konkurrenten hinzu – die Discounter. Da kosten die Produkte nur ein drittel als die vom Bäcker. Und dann wird sich zeigen, was den Menschen gute Lebensmittel wert sind und was nicht. Zudem wies Dominique Huth darauf hin, dass über die Politik auch unbedingt mit den Löhnen etwas passieren muss, um das Handwerk wieder attraktiver zu machen. Die Löhne seien bei ihnen das zweite Kriterium, warum niemand diesen Berufsweg einschlagen will. Das erste Kriterium sind die Arbeitszeiten. Abends um zehn Uhr geht es los, damit morgens die Produkte an die 21 Standorte ausgeliefert werden können. Darauf möchte sich auch nicht jeder einlassen.

Die Bäckerei Huth setzt auf natürliche Rohstoffe und nicht auf Fertigmischungen.
Die Bäckerei Huth setzt auf natürliche Rohstoffe und nicht auf Fertigmischungen.

Umweltleitlinie seit 1991

Der Umweltgedanke spielt nicht erst seit kurzem eine Rolle bei Huths. Schon die Eltern haben 1991 eine Umweltleitlinie aufgestellt. Der Vater war immer der Meinung, wenn man an vielen Ecken etwas Kleines macht, entsteht am Ende etwas Großes draus. Daher wird die Bäckerei schon immer mit Ökostrom betrieben und seit 2007 gibt es auch keine Plastiktüten mehr. Zudem sind die Tüten, in welche die Backwaren hineinkommen, nur mit einer Farbe bedruckt und können in die braune Tonne.

Doch wie sieht es mit den Kaffeebechern aus? Immerhin zählen diese mit zu dem größten Müllproblem, werden doch in Deutschland 89 Kaffee-to-go Becher die Sekunde weggeworfen. Für die Gebrüder Huth stellte sich die Frage, was ein Kaffeebecher können muss und wie es mit der Ökobilanz aussieht. „Wie ist denn die Ökobilanz von einer Tasse oder einem Mehrwegbecher im Vergleich zu einem Pappbecher?“, so Dominique Huth. Auch wenn es darüber keine Statistiken gibt, ist er der Meinung, dass diese beim Pappbecher am günstigsten ist. Daher haben sie verschiedene Becher aus der Region getestet. Sie wollten einen Becher mit wenig Material haben. Dies ist ihnen gelungen, ist doch ihr Becher 90 Prozent leichter als die der Konkurrenten. Und ihre Becher kommen aus Ostdeutschland und nicht aus Asien, wie die Becher der Konkurrenz. Zudem passen die Plastikdeckel auf jede Bechergröße, so dass kein Ausprobieren und wegwerfen nötig ist. „Es sind die kleinen Dinge.“

Am Mehrwegsystem kritisiert Huth, dass die Becher in der Anschaffung recht teuer sind – zum einen in der Anschaffung und beim Spülen wird ebenfalls Strom und Wasser verschwendet. „Die beste Variante ist, dass jeder mit seinem eigenen Becher vorbeikommt und noch zehn Cent Rabatt bekommt.“ Vor allem am Bahnhof in Limburg wird diese Möglichkeit sehr gut angenommen. Abschließend sind sich die beiden Brüder einig: „Nur durch Zwang bringt man etwas unter die Leute.“

Nächste Woche besuchen wir die Gemeinde Elz, welche bei Veranstaltungen plastikfrei werden möchte und Ende August steht ein Besuch in der Eismanufaktur Niederbrechen an, welche auch am umstellen ist, um weniger Müll zu produzieren.

Mehr zur Bäckerei Huth erfahrt ihr auf der Homepage sowie auf Facebook.


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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