Wunsch nach mehr Diversität in den Kommunalparlamenten

Frauen machen 50 Prozent der Gesellschaft aus, doch in den Kommunalparlamenten sind sie bisher noch unterrepräsentiert. Nach den Kommunalwahlen könnte sich dies ändern, denn viele Frauen finden sich auf den Listen. 

Sabine Häuser-Eltgen ist seit über 30 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv und die 19-Jährige Hannah Blum kandidiert zum ersten Mal bei den Kommunalwahlen. Für die beiden Kommunalpolitikerinnen von Bündnis 90/ Die Grünen ist es nicht nur wichtig, dass mehr Frauen in die Parlamente einziehen, sondern dass insgesamt die Parlamente diverser werden.

Parlamente als Abbild der Gesellschaft

Dabei geht es nicht nur um ein ausgeglichenes Männer-Frauen-Verhältnis in den Parlamenten. Insgesamt geht es den beiden um einen guten Mix aus jung und alt, männlich und weiblich, erfahrenen Kommunalpolitikern und Neueinsteigern. „Derzeit gibt es in den Parlamenten eine recht homogene Altersverteilung“, so Sabine Häuser-Eltgen, „aber wir benötigen eine gute Durchmischung, um den Generationenwechsel hinzubekommen.“ Ein Anfang ist jetzt mit den Listen gemacht, aber sie würde sich noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund wünschen, um wirklich die gesamte Gesellschaft in den Parlamenten wiederzufinden. Nur dann gebe es eine Möglichkeit, dass das Klischee von einseitiger Politik verschwindet.

Doch es geht den beiden nicht nur um die Besetzung in den Kommunalparlamenten, sondern sie gehen noch einen Schritt weiter. Häuser-Eltgen würde sich wünschen, dass dann jeder im Parlament das Recht hat, sein Thema am Rednerpult zu vertreten. „Es ist wichtig, dass jeder Kommunalpolitiker wahrgenommen wird“, so Häuser-Eltgen. Es gebe noch zu viele auf der Hinterbank, die im Bewusstsein der Bürger nicht bekannt sind. Und es sollte auch im Blick behalten werden, dass die Frauen nicht nur in die Kommunalparlamente einziehen, sondern dann eventuell auch als Vorsitzende von Ausschüssen gewählt werden.

Auch wenn die beiden Frauen sehr offen mit ihren Ansichten umgehen und es das Gefühl entsteht, dass sie bereits vollumfänglich gehört werden, glauben sie nicht, dass es schon komplett in der politischen Gesellschaft angekommen ist. Hannah Blum, frauenpolitische Sprecherin der Grünen Jugend Hessen sowie Kandidatin für den Kreistag und die Stadtverordnetenversammlung in Hadamar, erfährt viel Entgegenkommen. Aber auch sie macht sie Erfahrung, dass sie eher mal komisch angeschaut wird, weil sie sich politisch engagiert, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen. Aber insgesamt muss sie sagen, dass sie bei den Grünen gehört wird. „Ich weiß nicht, wie die anderen Parteien auf mich reagieren, hoffe aber, auch von ihnen gehört zu werden“, so Blum.

Digitale Plattformen für mehr Teilhabe

Doch nicht nur eine veränderte Gesellschaft führt zu mehr Frauen in der Kommunalpolitik. In den Augen der beiden führt auch die derzeitige Pandemie und damit verbunden die Verlagerung vieler Treffen in den digitalen Raum zu mehr Teilhabe der Frauen an politischen Themen. Die Frauen müssten nicht erst überlegen, wie sie die Kinder versorgen und zum Veranstaltungsort fahren, sondern dies ist leichter vom Wohnzimmer aus möglich. Zudem habe es einen großen Schub über die Fridays for Future Bewegung der Jugend gegeben, die sich auf einmal viel stärker engagieren als vor ein paar Jahren.

Bei Hannah sorgte ein sehr guter PoWi-Lehrer (PoWi für Politik und Wirtschaft) für ihr politisches Interesse. Durch die Klasse kam sie auch in Berührung mit der Jungen Union, hat sich da aber absolut nicht wiedergefunden. Also hat sie sich im Kreis informiert, welche Angebote es noch gibt und gelangte zu der grünen Jugend. Und da hat sie eine politische Heimat gefunden. Auf Landesebene gibt es bereits ein Miteinander mit den Jusos, aber auf Kreisebene noch nicht. Häuser-Eltgen und Blum könnten sich vorstellen, dass es eine viel stärkere überparteiliche Vernetzung geben könnte. Dadurch könnten sie Parteikollegen besser kennenlernen, aber auch das eigene Handeln noch mal anders reflektieren.

Und die digitalen Formate bringen nicht nur die Frauen in die Kommunalpolitik. Hannah Blum ist der Meinung, dass mit den digitalen Formaten viel mehr möglich ist, um auch die Bürger:innen intensiver an der Kommunalpolitik zu beteiligen. Dann würde eventuell bei den Bürger:innen auch das Gefühl verschwinden, nicht immer wahrgenommen zu werden.

Dickes Fell mit den Jahren

Beiden haben die Erfahrung aus ihrem Umfeld gemacht, dass auch andere Frauen der Meinung sind, dass mehr Frauen in die Politik sollten. Sie loben auch Häuser-Eltgen und Blum für ihr Engagement. Aber selbst schrecken sie davor zurück, sich einzubringen. Es gibt ja andere, die etwas machen. Und leider ist auch Sexismus ein Thema. Der beginnt da, wenn die Männer die Haare oder die Kleidung der Frauen loben. „Schonmal gehört, dass ein Mann zu einem anderen Mann gesagt hat, dass er eine schöne Krawatte habe?“, fragt Häuser-Eltgen. Es gibt viele Dinge, die Frau schlucken muss und ein dickes Fell hilft dabei ungemein.

Blum reagiert dann auch schon mal mit Provokation. „Wenn mich jemand auf meinen Ausschnitt anspricht, dann ist er beim nächsten Mal noch etwas tiefer.“ Früher war es auch die Sprache, erinnert sich Häuser-Eltgen. Sie wurde sehr lange als „Fräulein“ angesprochen, was irgendwie impliziert, niedlich zu sein und nicht mitreden zu können. Daher ist sie auch eine Verfechterin der gendergerechten Sprache.

Und so setzen sich beide gemeinsam, die junge unerfahrene Kommunalpolitikerin und die ältere erfahrene Kommunalpolitikerin, für ein Ziel ein, lernen voneinander, gegen sich gegenseitig Rat und schaffen es so gemeinsam, die Politik auch für zukünftige Generationen interessant zu machen.

Mehr zum Programm von Bündnis 90/ Die Grünen Limburg-Weilburg lest ihr hier: „Politik für die Zukunft“

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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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