Zwei Seiten der Medaille im Lahntourismus

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Die Lahn zählt für Touristen  mit zu den schönsten Flüssen, welche mit dem Kanu erkundet werden können. Sie zieht Touristen in den Landkreis, hat aber auch ihre Schattenseiten. 

In diesem Jahr war die Lahn besonders stark frequentiert. Viele machten aufgrund von Corona Urlaub in der Region oder blieben in Deutschland. Und so zog auch die Lahn viele Touristen an. Ein Beitrag, wie schön es ist, einen Tag auf der Lahn zu verbringen, sorgte für unterschiedliche Reaktionen. Bereits Ende Juli zeigte die SPD Weilburg auf, dass es im Lahntourismus Licht und Schatten existieren.

Licht und Schatten

Das Lahntal ist eine wunderschöne Region, die zu verschiedenen Aktivitäten einlädt. Neben dem Erkunden auf dem Fluss kann auf dem Lahntalweg gewandert und Rad gefahren werden. Burgen, Schlösser sowie geologisch interessante Punkte wie der Lahnmarmor in Villmar oder die Kristallhöhle Kubach laden zu Besuchen ein. In diesem Jahr kamen mehrere Sachen zusammen, dass es die Menschen vermehrt an die Lahn zog. Durch Corona verbrachten viele den Urlaub zu Hause. Hinzu kamen geschlossene Schwimmbädern. Also waren die Menschen auf der Suche nach Alternativen.

Doch mehr Menschen bringen auch mehr Begleiterscheinungen mit sich. Trotz einzuhaltender Abstandsregeln waren Badestellen oftmals überfüllt. Die Stadt Runkel zog daraus die Konsequenz, die Badeinsel an den Wochenenden zu schließen. Also suchten sich die Menschen andere Stellen am Gewässer, an denen sie ihre Freizeit verbrachten. Dies ging einher mit Lärm und zurückgelassenem Müll.

Und auch auf dem Wasser tummelten sich mehr Menschen als in den Jahren vorher. Die Schleusen sind teilweise so voll und nicht alle halten sich innerhalb der Schleusen an Abstand und Mundschutz. Und auch wenn viele flache Stellen am Ufer zum Verweilen einladen, ist das wilde Anlegen gar nicht erlaubt. Es gibt eine Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet Auenverbund Lahn-Dill, welche feste Ein- und Ausstiegsstellen festlegt. Alle anderen Stellen zum Anlegen sind verboten zum Schutze der Natur. Daher setzt sich die SPD Weilburg derzeit dafür ein, nötige Infrastrukturen an der Lahn, speziell in Kirchhofen, zu schaffen, die ein Anlegen ermöglichen, aber auch den Gang zur Toilette sowie das Entsorgen von Müll.

Steady

Zerstörung der Natur

Und so bleibt die Kritik nicht aus. Alkoholisierte Bootsfahrer sind laut auf der Lahn unterwegs, legen an flachen Stellen an und verrichten ihre Notdurft. Da bleibt irgendwann eine geruchliche Belästigung nicht aus. Durch das wilde Anlegen werden zudem Uferbereiche zerstört, aber auch Fischgründe und Vögel in ihrer Brut. Dies sind alles Kritikpunkte, welche von den Anwohnern an der Lahn geäußert werden.

Winfried Klein, Vorsitzender der IG Lahn setzt sich seit Jahren für den Naturschutz an der Lahn ein. Und er ärgert sich darüber, dass oftmals finanzielle Interessen viel mehr im Vordergrund stehen als die Natur. Die Tage war er bei einem „Runden Tisch“ Tourismus Hessen in Wiesbaden. Rund 40 Personen nahmen an dem Treffen teil, dessen Leitung Janine Wissler (Die Linke) hatte. Auch Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war anwesend. „Ich merkte schnell, dass ich wieder einmal, wie fast immer, eine Außenseiter-Rolle einnehmen musste“, schreibt Klein, „denn alle anderen waren Touristik-Delegierte unterschiedlichster Verbände und Behörden und hatten nur im Sinn, noch mehr Touristen an die Lahn zu bekommen. Das Hauptthema war Werbung für noch mehr Touristen und natürlich viele Zuschüsse vom Land, um diesen weiter anzukurbeln. Es stand lediglich Geld im Mittelpunkt.“

Finanzielle Aspekte im Vordergrund

Mit keinem Wort sei es bei dem Treffen um die Probleme mit dem Tourismus und dessen Übernutzungen auf- und an der Lahn gegangen. Er versuchte, die Position der mit dem Tourismus zusammenhängenden Probleme der Ökologie infolge der (Über-) Nutzungen vor allem entlang der Fließgewässer zu vertreten. „Ich stellte die Fließgewässer, Ufer und Auen und die überall direkt am Wasser gebauten und geteerten Radwege in den Mittelpunkt meiner Ausführungen“, so Klein weiter. In diesem Bereiche existieren 60 bis 70 Prozent aller Tierarten, d.h. die Biodiversität ist gerade in diesen übergenutzten Bereichen am höchsten und gerade da sind auch die Störungen durch Nutzung ebenso am größten.

„In diesem Jahr ist es wegen Corona besonders gravierend und die Nutzer von Verleihbooten steigen bei dem Niedrigwasser überall in trocken gefallenen Flachwasserzonen aus, was verboten ist“, weist Klein auf die Probleme hin, „Wenn sie weg fahren, lassen sie häufig Abfall wie Plastik liegen, der dann vom Wasser mitgeschleppt wird.“ Tieren nehmen dieses Plastik auf und können daran sterben. Oder es landet mit dem Fisch wieder auf dem Teller.

Entlang der Touren gibt es viele Möglichkeiten, um Pause zu machen.

Wasserqualität bei Niedrigwasser

Laut Klein fließen derzeit in der Lahn rund 20 Prozent Frischwasser und 80 Prozent Abwasser aus Kläranlagen. Eine gute mechanisch-biologische Kläranlage kann max. 92 Prozent der organischen Fracht abbauen, was bedeutet, dass acht Prozent der Abwasserfracht überall in die Lahn geleitet wird. Im Sommer ist zudem der Wasserverbrauch  in den Haushalten am höchsten. „Alle Wassertiere leiden unter der Wärme und Sauerstoffproblemen, weil wenig Sauerstoff im warmen Wasser gelöst werden kann“, zeigt Klein die Problematik auf. Er weist nochmal darauf hin, dass Boote an der gesamten Lahn nur an den ausgewiesenen Ausstiegsstellen angelandet werden dürfen. „Ebenso müssen von den Bootsverleihern die Mieter der Boote vor Fahrtbeginn eingewiesen werden, damit dies alles unterbleibt und kein Abfall ins Wasser gelangt“, so seine Forderung.
Aber nicht nur auf dem Wasser ist viel los. Auch auf den Radwegen hat der Verkehr zugenommen. „Früher waren das Spazierwege, die heute von Fußgängern nur noch unter Lebensgefahr genutzt werden können, da dort mit Helmen und Trikots bekleidete Raser unterwegs sind, die glauben, der Wege gehöre ihnen allein“, erzählt er. Es kommt sogar so weit, dass Fußgänger angepöbelt und beleidigt werden. Und vor allem nach Regen werden dann auf diesen Wegen zahlreiche Kleintiere von den Radfahrern überfahren.
Daher appelliert Klein an die Menschen, sich für die Natur und Umwelt sowie für intakte Gewässer einzusetzen, dafür einzutreten, dass Übernutzungen in der Natur und vor allem in den Gewässern vermieden werden. „Wenn man Nutzer ist, sollte man sich entsprechend zurücknehmen und behutsam verhalten.“
Den Lahntourismus möchte niemand verbieten, denn die Region profitiert davon. Doch Anwohner, Kommunalpolitiker und Naturschützer wünschen sich mehr gegenseitige Rücksichtnahme. Dann haben alle etwas davon.

 


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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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