Lahn soll wieder Lachsgewässer werden

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Der Atlantische Lachs ist Fisch des Jahres 2019. Bis ins 18. Jahrhundert war auch die Lahn mit Lachs besiedelt. Das EU-Projekt Living-Lahn (LiLa) möchte, dass die Lahn wieder Lachsgewässer wird. Daher wird einiges unternommen, um den Lachs wieder anzusiedeln. 

Der Atlantische Lachs zählt zu den begehrten Speisefischen. Doch durch den menschlichen Eingriff in die Flüsse, werden diese immer schwerer passierbar und der Lachs findet keine Laichgründe mehr. Inzwischen steht er auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“. Aus diesem Grund wurde er zum Fisch des Jahres 2019 gekürt. Seit den 80er Jahren laufen Bemühungen, den Atlantischen Lachs in der Lahn wieder anzusiedeln. Auch wenn der Lachs teilweise wieder in der Lahn zu finden ist, sind die Hindernisse für ihn noch viel zu groß, als von einem dauerhaften Erfolg zusprechen.

Kartierung des Lahnsystems

Bereits in den 80er Jahren hat die IG Lahn zusammen mit  der Obersten Fischereibehörde und den Regierungspräsidien (Obere Fischereibehörde Gießen und SGD-Nord Koblenz) der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz  alle erdenklichen und notwendigen Voruntersuchungen, Kartierungen und Bewertungen von beauftragten Fischereibiologen im gesamten Lahnsystem vornehmen und bewerten lassen. Als positiv für die Wiederansiedlung wurde die Weil, ein linker Zufluss der Lahn sowie die Dill, ein rechter Nebenfluss der Lahn ermittelt. Bedingungen für ein erfolgreiches Projekt waren die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Lahn sowie die Schaffung von Strukturen im Gewässer, damit die Lachse diese als Laichgebiete annehmen.

Vor Beginn der Wiederansiedlung war der Lachs im gesamten Rheinsystem und den benachbarten Flüssen ausgestorben. Daher stand für das Projekt kein gewässereigenes Besatzmaterial zur Verfügung. Aus anderen europäischen Gewässern wurden Lachseier importiert. Die Lachseier für die Besiedelung des Lahnsystems stammen aus dem südwestfranzösischen Adour-Nive-System, welches sich bis in die Pyrenäen erstreckt. Die Wahl fiel auf sie aufgrund der Ähnlichkeit der Gewässer und des vergleichbar langen Wanderweges. Das langfristige Ziel war es, eine reproduktive, sich selbst erhaltende Population zu etablieren.

Wiederansiedlung seit 1993

Seit 1993 werden regelmäßig Lachse in die Lahn ausgesetzt. Nach vier Jahren – 1997 – kehrte tatsächlich der 1. Lachs in die Lahnmündung zurück. Seitdem fischen die ausgebildeten Lachswarte der IG-LAHN jedes Jahr in Lahnstein mit Elektrofischerei-Gerät die Rückkehrer aus dem Wasser. So fingen sie bis heute an der Lahnmündung in Lahnstein 110 adulte Lachsrückkehrer und brachten sie zu der Hälteranlage mit Bruthaus nach Aumenau. Dort gewinnen sie die Laichprodukte, erbrüten die Junglachse und ziehen diese bis auf 12-15 cm heran. Diese Junglachse setzen sie dann in die Besatzgewässer Weil, Dill, Emsbach, Elbbach und Mühlbach (bei Nassau) aus.
Nach einem Jahr , manche erst nach 2 Jahren, wandern die Junglachse in  der Lahn ab. Über den Rhein gelangen sie nach Holland und von dort in der Nordsee weiter nach Grönland. Nach vier bis fünf Jahren kehren diese Fische mit Gewichten bis zu 15 kg wieder in die Lahn und ihre Seitengewässer zurück, um sich darin fortzupflanzen. Somit schließt sich der Kreislauf.

Kritik an der Umsetzung

Trotz all der Bemühungen der IG-Lahn kritisiert Winfried Klein, Vorsitzender der IG-Lahn, die Umsetzung. Von ihrer Seite tun die Angler alles, um den Lachs wieder in der Lahn anzusiedeln. Leider wurden die Versprechungen der Umweltministerinnen in Hessen und Rheinland-Pfalz als auch die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die auf- und abwärts gerichtete Durchgängigkeit in den Fließgewässern wieder herzustellen bis heute ignoriert. Daher können die Lachse bis heute ihre Laichgewässer nicht erreichen und sich dadurch nicht eigenständig fortpflanzen. „Dies ist eine unglaubliche Nachlässigkeit und Missachtung gesetzlich Vorgaben“, so Klein.

Darüber hinaus wurden auch die für die Fische tödlichen Wasserkraftanlagen nicht entschärft und nicht auf den gesetzlich vorgeschrieben Zustand gebracht. Die mit unglaublicher Mühe erbrüteten, aufgezogenen und  abwandernden Lachse sowie die eingesetzten Jungaale werden dadurch fast allesamt getötet, kritisiert Klein weiter. „So werden alle diese wertvollen und historisch bekannten Wiederansiedlungsprojekte ad absurdum geführt und von den verantwortlichen Ministerinnen einfach ignoriert“ Ein Problem in seinen Augen ist dabei, dass die Fische unter der Wasseroberfläche leben, so dass die ständig auftretenden, tierschutzwidrigen Desastern nicht offensichtlich sind. „Daher bekommen auch die Bürger davon nicht mit und glauben es wäre alles in Ordnung. Welch ein kapitaler Irrtum“, so Klein abschließend.

Bereits 1999 resümierte Dr. Schwevers, dass die Lachse mit vielfältigen Gefährdungsfaktoren konfrontiert werden, so dass sie den Erfolg der Wiederansiedlung eigentlich in Frage stellen. Dennoch hoffen nun die zahlreichen Aktiven, die sich um den Lachs bemühen, dass durch das EU-Projekt Living-Lahn, welches seit Dezember 2015 läuft, die Hindernisse beseitigt werden, damit der Lachs wieder durchgängig vom Laichgebiet bis zum Meer und auch wieder zurück wandern kann.

Quellen

Dr. U. Schwevers „Wiederansiedelung des Laches im Lahn-System“, 1999

Deutschlandfunk „Lahn soll wieder Lachsgewässer werden

EU-Projekt Living Lahn



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Heike Lachnit

Ich bin freie Lokaljournalistin in der Region um Limburg. Auf HL-Journal schreibe ich über die Themen, die nicht immer in der Zeitung Platz haben oder die mir am Herzen liegen.

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